Zuerst kam noch einmal die Trauer um meinen besten Freund stark hoch. Wenn man wie ich vorlesungsfreie Zeit hat, hat der Geist auch Zeit, alles hochkommen zu lassen, was noch der Verarbeitung bedarf.
Also kamen traurige und niedergeschlagene Gedanken und Gefühle hoch, welche mitunter schon heftig waren. Gefühle von Einsamkeit und fehlender guter Kommunikation jedoch auch fehlende Termine, denn mein bester Freund wir hatten uns ab und an zum Essen gegenseitig eingeladen und uns angeregt über Kunst, Daoismus und unsere Arbeit zu unterhalten, was auch sehr angenehm war.
Das alles fehlt und es ist ein Vakuum entstanden.
Ich möchte nicht verhehlen, dass es eine depressive Episode war.
Ich habe mir Zeit gelassen, alles darf sein, alle noch so schmerzhaften Gefühle und die dazu gehörenden Gedanken dürfen sein. Ab und an, war die herausfordernd und sehr schwer. Alles liebevoll zulassen und zu sich selbst freundlich zu bleiben ist hier von Bedeutung.
Vier Wochen habe ich mir Zeit geschenkt und war tatsächlich allein. Ich meine, wirklich allein. Ohne Kommunikation außer beim Discounter nett zu den Kassierer- innen zu sein und dreimal Abends an meinen buddhistischen Studiengruppen teilzunehmen.
Es war ja eine große Hitze bei approximal 40/41 Grad in Düsseldorf. Das habe ich durch Tee trinken und nur Salat essen gut korperlich überstanden. Wie wenig der Körper eigentlich benötigt, fällt mir stets auf.
Ich habe viel gelesen, Musik gehört und habe, da die S-Bahnen nicht fuhren, mir alle Altstadt-Kirchen in Düsseldorf angesehen. Das war ungemein schön und hat mir gut getan.
Ich war nicht nur vier Wochen quasi ein Eremit. Das Eremiten-Dasein war nicht einfach. Jedoch sehr vertiefend, da man selbst sehr nah ist, ohne die kleinen Ablenkungen und Fluchten.
Oft daß ich auch unter meinem Lieblingsbaum, einen riesigen Ahorn und habe auf meinem E-Book gelesen, den Wind gespürt, die Hitze auf meiner Wange gespürt und die körperliche Müdigkeit bei 41 Grad wahrgenommen.
Auch Menschen habe ich beobachtet und oftmals mitbekommen, über welche weltliche Probleme sie redeten. In der U-Bahn sah ich einen 1.90 m großen, ungemein beleibten Mann seine wirklich hübsche Frau sehr zärtlich küssen: Ein solcher 200 kg Koloss und seine zierliche junge Frau. Eine große Liebe und Zärtlichkeit mit einer positiven Ausstrahlung und, was mir auffiel, die Bilder, die wir im Kopf haben, sind halt nur Konzepte und Bilder. Mein Bild, nein Konzept war, wie so ein Koloss eine so hübsche Frau haben konnte? Nur ein Konzept, nur eine Reaktion meines verrückten Geistes. Leer. Wie Seifenblasen. Aber ich hatte eine kujonierte Geisteshaltung, nicht so nett von mir. Ich muss euch das ganz ehrlich schildern, so, wie es war, ohne Schnörkel.
Viel geübt habe ich Mitfreude und Metta, sehr sehr wichtige Brahmaviharas. Auch hier: überhaupt keine leichte spirituelle Übung. Wenn man sich am Erfolg anderer freut und gönnen kann, dann kratzt dies ganz besonders am Ego, was ja eher Neid und häufig Missgunst empfindet. Üben, üben, üben.
"Der Koloss möge eine glückliche, zärtliche Beziehung zu deiner Frau haben," dachte ich bewusst. Die Frau war wirklich schön und man erfreut sich bewusst daran, dass er Erfolg hatte, sie zur Frau zu haben. Hui, geht da das Ego ab.
Geld habe ich viel gegeben, mich gedanklich überwacht und bewusst positiv gedacht, auch hier: sehr schwer. Aber erfolgreich. Eine harte Übung. Immer wieder und wieder, bis der Geist sich durch die beständige Übung irgendwann neu ausrichtet. Braucht viel Zeit.
Den Geist zu behüten um all seine Negativzitat kennenzulernen und dann bewusst gegen-steuern. Das ist der innere Kampf, das innere Heldentum. Und ja, ich habe oft bemerkt, wenn sich hassvolle, neidische oder gierige Gedanken subtil eingestellt haben. Aber ich habe nicht aufgegeben. Ganz wichtig.
Wenn du bewusst deine eigene Bewusstheit pflegst und zu dir freundlich bist, dann vollzieht sich ganz langsam eine Kehrtwendung im Geist. Du musst bloß Geduld haben und niemals aufgeben; du kannst Schlachten verlieren aber nicht den Krieg.
Beruhigt sich das Innere, beruhigt sich auch das Äußere. Ein langer Kampf, ohne Selbstverurteilung und Flucht.
Ein Klient heiratet seine Freundin. Was für ein schönes Ereignis, denn beide sind such zugetan und tun sich Gutes, auch wenn es manches Mal kracht: Auch hier, gibt nicht auf, die Früchte des Kampfes sind süß.
Soweit dieses Tagebuch. Möge es den Lesern Unterstützung bieten.