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Samstag, 18. Dezember 2021

Getreulich

Das alte deutsche Wort "getreulich" wird heute von vielen Menschen nicht mehr verstanden. Dabei ist es ein schönes und ungemein positiv besetztes Wort. 

Getreulich bedeutet zuerst einmal, dass man sich gegenüber treu bleibt: seinen Werten und seinen ethischen Positionen. 

Nach außen gerichtet, bedeutet getreulich, dass man treu zu seinem Partner, seiner Familie und auch loyal gegenüber wichtigen Personen ist wie unserem Freundeskreis. 

Ferner bedeutet getreulich auch, dass sich andere Menschen auf uns verlassen kônnen, denn wenn wir etwas vereinbaren, dann halten wir es auch ein. Verlässlichkeit ist also von großer Bedeutung. Verlässlichkeit wie Zuverlässigkeit. 

Getreulich ferner bedeutet, wenn uns etwas anvertraut wird, wir dies für uns behalten, keine Zwischenträgerei (auch  ein altes Wort) betreiben und auch materielle Dinge, die uns anvertraut werden achten und sie bewahren. 

Der nahe Feind des getreulich sein, ist die Lüge. Wenn wir uns selbst anlügen, dann sind wir auch bereit, andere, anzulügen. So beginnen sich Risse im Fels unserer Persönlichkeit zu zeigen, erst fein, dann stetig größer werdend. Unser Fundament erodiert und bricht zusammen. 

Getreulich bedeutet so ein Fels in der Brandung zu sein, welcher auf Treue, Wahrheit, Mut und unseren Werten beruht also für unser ganzes Leben. Üben wir getreulich sein, dann sind wir ein Freund für uns und ein Freund der Menschen. 

Dienstag, 30. November 2021

Tolstoi

Jeder denkt daran, die Welt zu verändern-
Keiner denkt daran, sich selbst zu verändern. 

Montag, 22. November 2021

"Nicht jeder der schön spricht, hat auch schöne Taten. " Walid el Zein

Spaltung

In der "Welt" wurde die Frage sinngemäß aufgeworfen, wie viel Spaltung eine Gesellschaft auszuhalten vermag, bis sie zerfällt? 
Ich bin nicht sonderlich an Politik als Yogi interessiert, das tägliche Gezanke, das Intrigieren und die endlosen Sprechblasen machen den Geist nicht glücklich und führen zu nichts. 

Was mir aber Sorge bereitet ist dass die deutsche Gesellschaft sich in einer größer werdende Spaltung befindet: Reich und arm, geimpft und ungeimpft, links und rechts um nur einige Dualismen zu nennen. 

Ich habe es schon seit langem betont, dass wir wirklich zuhören müssen, bereit zu sein, die Position des anderen Mitmenschen kennenlernen zu wollen und dass wir den anderen mit seiner Meinung mit Respekt begegnen. 

Vor allem, müssen wir klug schauen, ob die Dinge des Geistes wirklich so sind, wie er es uns vorgaukelt. 
Gedanken lassen sich manipulieren, Hass und Empörung schmerzen in erster Linie uns selbst, selbstgerechte Sprache ist nur eine Verkleidung von Verblendung. 
Sind wir am Wohl des anderen wirklich interessiert, kommunizieren wir aufrichtig, sind sanft und geben Raum? 

Wir manipulieren nicht, durchschauen auch Manipulation von anderen, sind nicht jemandens Knecht, bilden uns nach den Vier Brahmaviharas und den Sprachvorsätzen eine eigene Meinung und kommunizieren auch in dieser Form freundlich, ehrlich, zurückhaltend (nicht aufdringlich, nicht "missionierend) und sind wohlwollend. 

Eine Gesellschaft, die sich spalten lässt oder sich spaltet, ist dem Auseinanderfallen anheim gefallen und deren Tore sind weit geöffnet für Mara, dem Bösen. 

Was wären die Folgen? Bürgerkrieg, noch mehr Egoismus und Ausgrenzung missliebiger Menschen, Einsamkeit, Pein, Unglücklich sein? Wollen wir dies? 

Menschen benötigen Wärme, glückliche Verbindungen, wertschätzende  Kommunikation und wir sehnen uns alle nach Umarmung, Freude im Miteinander und Nahrung für unsere Herzen und unseren Geist. Wollen wir dies leichtfertig aufgeben oder es doch immer mehr kultivieren? 

Mittwoch, 10. November 2021

Der Bach

Wenn ich morgens sehr früh auf dem Weg zu meiner Akademie bin, komme ich an einen kleinen Bach vorbei. 
Fast jeden Tag bleibe ich auf der Brücke stehen, die den Bach überquert. Ich höre den Vögeln zu, je nach wechselnder Jahreszeit erklingt ein anderes Lied.

Ich schaue oft in ruhiger Stimmung auf den Lauf des Wassers. Alles fließt, wie es Heraklit, ein Vorsokratiker vor Jahrtausenden aussprach und es ist richtig. 

Ich betrachte das Fließen, die kleinen Wirbel, die entstehen, wenn das Wasser an einem kleinen Stein vorbeifließt oder wenn ein Blatt auf dem Wasser treibt und sich an einem Ast verfängt. 
Ich sehe all die Wirbel, die Wellen, wenn das Wasser auf ein Hindernis trifft und doch ist alles im Fließen miteinander verbunden. 

Des Wassers Eigenschaft ist es, zu fließen: Mal fließt der Bach langsam, einmal wild und brausend; je nach Jahreszeit sind viele Unterströmungen und Wellen zu sehen und manchmal ist kaum etwas wahrnehmbar, wenn der Bach im Hochsommer träge in seinem Bett verbleibt und ich schon genau hinsehe, wo das Wasser sich kräuselt. 

Ich fühle mich diesem Bach verbunden, sehe  in ihm ein Abbild meines Geistes. Gedanken erscheinen, Emotionen gelangen an die Oberfläche, mal tosend, mitunter ruhig und friedlich. Das Große ist im Kleinen wahrnehmbar und auch das Kleine im Großen gleichsam. 

Ich betrachte den kleinen Bach und sehe in seinem Fließen auch den Strom des Lebens in mir. Doch spricht der Bach: "Ich bin?" Er fließt, das ist alles und doch so bemerkenswert. 
Selbst der Wahrnehmende ist nur ein Teil des Fließens. Ist er da? Oder ist da nur Fließen..?

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Stories, stories...

Wenn wir Dzogchen Praktizierende sind, betrachten wir Gedanken lediglich als Manifestationen des Geistes: sie entstehen, verweilen ein wenig und gehen wieder. Nichts weiter. Kein Greifen, keine Identifikation, kein Ich und letztendlich auch kein Beobachter. 

Wenn wir nicht Dzogchen üben, dann bemerken wir, wie häufig wir uns über unsere Gedanken identifizieren, denken, da wäre jemand, der das denkt, der diese Ansicht hat, der dieses und jenes meint et cetera. "Ich denke das.. " Ich meine dieses.. " oder: "Ich bin der Auffassung dass.. " 
Eine andere Person teilt vielleicht nicht unsere Gedanken, unsere Ansichten und Meinungen und Hader und Konflikt sind häufig vorprogrammiert. 

Wenn es uns gelingt, im Tagesverlauf, kurz auszusteigen aus den ewigen Stories, einfach humorvoll die eigenen Gedanken zu betrachten und  uns mit einem inneren Lächeln ansprechen: "Oh, hier ist der gute Ngakpa mal wieder aufgeblasen, nimmt sich wichtig und ist von seiner Genialität überzeugt,  das geht vorbei.. " 
Wenn wir diesen humorvollen Abstand gewinnen, dann beginnen wir unsere Gedanken Identifikation etwas zu lockern. 

Vielleicht gelingt es uns in unserem Tagesablauf aus den Gedanken ein wenig auszusteigen, gleichsam eine Distanz zu unseren Ich-Gedanken-Geschichten aufzubauen und somit der Mühle der immer gleichen Geschichten, Mustern und Reaktionen zu entgehen, wenigstens kurzfristig. 

Wenn wir dann ebenfalls alle Phänomene unseres Geistes nicht  bewerten, uns nicht selbst anklagen, und uns auch bemühen, dieses auf unsere Umwelt, auf andere Menschen zu übertragen, haben wir einen guten Schritt getätigt. 
Voraussetzung ist hierfür, dass wir ein wenig aufpassen und uns erinnern, einmal aus den immergleichen Stories auszusteigen, wenigstens ein wenig. Wir schauen doch auch nicht dreißig Mal hintereinander einen gleichen  Film.